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Von Timo Christian Blasberg
Amazon Ads & Marktplatz · seit 2011 Seller & Vendor
Diese Woche dreht sich alles um Logistik-Compliance: Pan-EU-FBA funktioniert seit
dem 3. September nur noch mit einem aktiven Angebot auf Amazon.nl – auch für bestehenden Bestand.
Parallel zieht Amazon die Anforderungen an Selbstversender an: In Deutschland gilt seit dem
1. September eine strengere pünktliche Lieferquote, ab dem 30. September kommen feste Zustellzeiten
für B2B-Bestellungen dazu. Und in Frankreich greift seit dem 1. September der Anti-Fast-Fashion-Malus
auf Textilien.
Fristen im Überblick
1. Sept
Selbstversand: OTDR ≥ 90 % (DE)
1. Sept
Frankreich: Fast-Fashion-Malus aktiv
3. Sept
Pan-EU: aktives Amazon.nl-Angebot Pflicht
30. Sept
Amazon Business: B2B in Geschäftszeiten
FBA · Frist 3. September
1. Pan-EU-FBA braucht jetzt ein aktives Angebot in den Niederlanden
Ohne aktives Amazon.nl-Angebot verlieren betroffene ASINs seit dem 3. September ihre Pan-EU-Berechtigung – und der Versand wird teurer.
Seit dem 3. September 2026 müssen alle Pan-EU-FBA-Produkte ein aktives Verkaufsangebot auf
Amazon.nl haben – nicht mehr nur neu hinzugefügte Artikel, sondern auch der bestehende Bestand.
Bisher galt diese Pflicht seit Mitte 2025 ausschließlich für neue Produkte. Für Belgien
(Amazon.com.be) folgt die Angebotspflicht bei der Produktregistrierung am 26. Februar 2027, dort
vorerst nur für Neuzugänge.
Wer die Anforderung nicht erfüllt, verliert für die betroffenen Produkte die Pan-EU-Berechtigung.
Die Folge sind höhere Versandkosten über das European Fulfilment Network statt der günstigeren
lokalen Tarife – Amazon beziffert die niederländischen Versandtarife im Schnitt rund 45 Prozent
günstiger. Wichtig: Ein aktives Angebot bedeutet keine Lagerpflicht in den Niederlanden, und für
Produkte ohne bestehende Detailseite auf Amazon.nl müssen keine neuen Seiten angelegt werden.
Warum das für Amazon-Marken relevant ist
Für Pan-EU-Marken hängt die gesamte Gebührenkalkulation an der Pan-EU-Berechtigung. Fällt ein
ASIN heraus, steigen die Versandkosten je Bestellung spürbar – ausgerechnet in der Anlaufphase
des Q4-Geschäfts, in der jeder Deckungsbeitrag zählt.
Diese Woche prüfen
Im Angebots- und Bestandsbericht kontrollieren, ob alle Pan-EU-ASINs ein aktives Angebot auf
Amazon.nl haben. Fehlende Angebote sofort anlegen oder reaktivieren und die Preise für den
NL-Marktplatz gegenprüfen, damit die Angebote tatsächlich kaufbar sind.
FBM · Fristen 1. + 30. September
2. Amazon zieht die Anforderungen an Selbstversender an
Selbstversender in Deutschland brauchen ab sofort eine pünktliche Lieferquote von mindestens 90 % – sonst drohen Angebots-Deaktivierungen.
Für den Selbstversand (FBM) gelten in Deutschland verschärfte Leistungsvorgaben. Seit dem
1. September 2026 müssen Selbstversender eine pünktliche Lieferquote (On-Time Delivery Rate, OTDR)
von mindestens 90 Prozent halten. Wird die Quote verfehlt, können betroffene Angebote deaktiviert
werden – im Extremfall geht auch die Möglichkeit verloren, neue FBM-Produkte anzubieten.
Für Amazon-Business-Bestellungen (B2B) kommt eine zweite Vorgabe hinzu: Ab dem 30. September 2026
sollen 90 Prozent der B2B-Bestellungen innerhalb der Geschäftszeiten zugestellt werden. Ab dem
30. Oktober 2026 drohen bei Nichterfüllung Angebotsdeaktivierungen. Vergleichbare Anpassungen
laufen parallel in Großbritannien, Frankreich, Spanien und Italien.
Warum das fürs Account Management zählt
Die OTDR ist eine der wenigen FBM-Kennzahlen mit direkter Deaktivierungsfolge. Wer mit knappen
Bearbeitungszeiten oder unzuverlässigen Versanddienstleistern arbeitet, riskiert nicht nur
Ranking-Verluste, sondern das komplette Angebot – und im B2B-Segment eine zusätzliche
Zeitfenster-Anforderung, die viele Versandprozesse heute nicht abbilden.
Diese Woche erledigen
OTDR je Selbstversand-Angebot im Seller Central prüfen und realistische Bearbeitungszeiten
hinterlegen. Wo möglich Amazon Buy Shipping und mit Sendungsverfolgung versehene Versandarten
nutzen, weil beides in die pünktliche Lieferquote einzahlt. Für B2B-Kunden die Carrier- und
Zustelloptionen bis zum 30. September auf Geschäftszeiten ausrichten.
EU-Recht · Frankreich
3. Frankreichs Anti-Fast-Fashion-Malus trifft Textilien auf Amazon.fr
Frankreichs neuer Textil-Malus verteuert Fast-Fashion-Ware spürbar – relevant für alle, die Bekleidung auf Amazon.fr verkaufen.
Seit dem 1. September 2026 gilt in Frankreich das Anti-Fast-Fashion-Gesetz. Kern ist ein Malus –
eine Öko-Abgabe pro Textilartikel – der Fast-Fashion-Ware verteuert. Für 2026 liegen die Sätze je
nach Artikel zwischen wenigen Cent und rund 12 Euro (etwa 0,50 € für Unterwäsche, 2 € für ein
T-Shirt, bis zu 12 € für eine Jacke) und sollen bis 2030 auf bis zu rund 20 Euro pro Artikel
steigen, gedeckelt auf 50 Prozent des Netto-Verkaufspreises. Ein Werbeverbot für
Ultra-Fast-Fashion ist für den 1. Januar 2027 vorgesehen.
Im Fokus stehen ausdrücklich Ultra-Fast-Fashion-Anbieter wie Shein, Temu und AliExpress –
eingestuft über Kriterien wie die Menge neu eingeführter Artikel und das Verhältnis von
Reparatur- zu Kaufpreis. Klassische Ketten wie Zara oder H&M gelten bislang als ausgenommen.
Einzelne Umsetzungsdetails hängen noch an Durchführungsdekreten; die Erhebung startet mit dem
Inkrafttreten am 1. September.
Rechenbeispiel
Ein T-Shirt für 8 € netto bekommt +2 € Malus = 25 % Aufschlag; eine Jacke für 40 € +12 € = 30 %. Gedeckelt ist der Malus bei 50 % des Nettopreises – bei sehr günstiger Ware kann er also fast den halben Verkaufspreis ausmachen.
Warum das Amazon.fr-Verkäufer betrifft
Die Abgabe knüpft an die Marktteilnehmer an, die Ware in Frankreich in Verkehr bringen. Marken
mit hohem Volumen an günstigen Textilien auf Amazon.fr sollten prüfen, ob sie unter die
Ultra-Fast-Fashion-Kriterien fallen – zumal sich die Abgabe zusätzlich auf den EU-weiten
3-Euro-Zoll für geringwertige Importe stapeln kann.
Jetzt prüfen
Wer Textilien auf Amazon.fr verkauft, modelliert die mögliche Abgabe je SKU gegen den
50-Prozent-Deckel und entscheidet über Preis, Bündelung oder Sortimentsbereinigung.
Französische Influencer- und Werbekooperationen mit Blick auf das geplante Werbeverbot ab 2027
gegenchecken.
📦 Fun Fact der Woche
Jeff Bezos wollte Amazon ursprünglich „Relentless" („unerbittlich") nennen – ein
Freund fand den Namen zu düster. Ganz losgelassen hat er ihn nie: relentless.com leitet bis
heute auf Amazon.com um. Einfach mal eintippen.
Account Manager Checklist
Was ich diese Woche bei Kunden prüfen würde
- Alle Pan-EU-ASINs auf ein aktives, kaufbares Angebot auf Amazon.nl prüfen und fehlende Angebote sofort reaktivieren.
- FBM-Angebote auf eine pünktliche Lieferquote von mindestens 90 Prozent kontrollieren und Bearbeitungszeiten realistisch setzen.
- Für B2B-Kunden die Zustellung bis zum 30. September auf Geschäftszeiten ausrichten – Carrier- und Versandoptionen entsprechend anpassen.
- Bei Textilien auf Amazon.fr prüfen, ob die Ultra-Fast-Fashion-Kriterien greifen, und die mögliche Malus-Abgabe je SKU kalkulieren.
- Q4-Vorbereitung: Bestandsverteilung und Lieferkennzahlen jetzt stabilisieren, bevor die Peak-Wochen starten.
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