Amazon Update der Woche

Strengere Referenzpreise auf Amazon.de – und die US-Versicherungspflicht ab November

FBA, Seller Central, Amazon Ads und EU-Compliance – gefiltert auf Änderungen, die für Account Management und Wachstum wirklich relevant sind.

KW 38/2026 · 14. September 2026 Deutschland + EU 5 Minuten Lesezeit

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Amazon Update der Woche KW 38 2026

Diese Woche stehen Preis-Darstellung und Compliance im Fokus: Amazon zieht die Prüfung von Referenz- und Streichpreisen europaweit an – auch auf Amazon.de – und unterdrückt künftig UVP-Angaben, die sich nicht über die Preishistorie belegen lassen. Auf dem US-Marktplatz Amazon.com wird ab dem 2. November eine Haftpflicht über eine Million Dollar in mehreren Sicherheitskategorien auch für kleine Verkäufer Pflicht. Und ein neues Bulk-Verfahren für Compliance-Testanträge spart bei prüfpflichtigen Produkten spürbar Zeit – rechtzeitig vor dem Q4-Geschäft.

Fristen im Überblick

seit 23. Juni
UK: schärfere Referenzpreis-Prüfung
läuft
Amazon.de + EU: Rollout Referenzpreise
2. Nov
USA: 1-Mio-$-Haftpflicht wird Pflicht
Preis · Amazon.de + EU

1. Amazon verschärft die Prüfung von Referenz- und Streichpreisen

Streichpreise werden nur noch anerkannt, wenn sie sich über die Preishistorie belegen lassen – sonst verschwindet die Ersparnis-Anzeige.

Amazon rollt die strengere Validierung von Referenzpreisen (UVP bzw. RRP) nun in den europäischen Stores aus. In Großbritannien ist die verschärfte Prüfung seit dem 23. Juni aktiv, die übrigen EU-Marktplätze inklusive Amazon.de ziehen nach. Ein als Streichpreis angezeigter Referenzpreis wird damit nur noch anerkannt, wenn er sich über die Preishistorie belegen lässt.

Bislang genügte, dass ein Produkt kürzlich bei einem anderen seriösen Händler zu diesem Preis angeboten oder auf Amazon über die Angebotsanzeige (Featured Offer) zu diesem Preis gekauft wurde. Künftig muss der Preis für eine nennenswerte Zahl von Tagen innerhalb der letzten 90 Tage als Angebotsanzeige ausgewiesen gewesen sein. Referenzpreise, die die Kriterien nicht erfüllen, werden unterdrückt – die Streichpreis- und Ersparnis-Anzeige verschwindet dann von der Detailseite.

Warum das fürs Account Management zählt

Streichpreise und Ersparnis-Hinweise sind ein wichtiger Conversion-Hebel, gerade in Deal-Phasen. Fällt die Anzeige weg, wirken Angebote spürbar weniger attraktiv – und belastbare Referenzpreise verlangen ohnehin auch die EU-Preisangabenregeln. Ausgerechnet vor den Q4-Aktionen ist das ein doppelter Grund, die UVP-Pflege ernst zu nehmen.

Diese Woche prüfen

Referenzpreise im Katalog gegen die Preishistorie der letzten 90 Tage abgleichen und nicht belegbare Werte korrigieren oder entfernen, bevor sie unterdrückt werden. Für geplante Q4-Deals sicherstellen, dass der Referenzpreis über die Angebotsanzeige gedeckt ist, damit Streichpreis und Ersparnis sichtbar bleiben.

Compliance · USA · Frist 2. November

2. Amazon.com macht die 1-Mio-Haftpflicht in Sicherheitskategorien zur Pflicht – auch für kleine Verkäufer

Ab 2. November brauchen US-Verkäufer in vielen Sicherheitskategorien eine Haftpflicht über 1 Mio $ – unabhängig vom Umsatz.

Auf dem US-Marktplatz Amazon.com müssen Verkäufer in bestimmten Sicherheitskategorien ab dem 2. November 2026 eine Betriebshaftpflicht über mindestens eine Million US-Dollar nachweisen – unabhängig davon, ob sie die bisherige Umsatzschwelle je erreicht haben. Bislang griff die Versicherungspflicht erst ab einem Bruttoumsatz von mehr als 10.000 US-Dollar pro Monat; für die betroffenen Kategorien entfällt diese Schwelle.

Betroffen sind laut Berichten elf sogenannte „enhanced safety"-Kategorien, darunter Kinderprodukte, Kosmetik und einnehmbare Produkte, Nahrungsergänzung, Lithium-Batterie-Produkte, kleine Küchengeräte, Matratzen und Reifen. Verlangt wird eine Deckung von einer Million US-Dollar je Schadensfall und in Summe, mit maximal 10.000 US-Dollar Selbstbehalt; Amazon.com Services LLC und verbundene Unternehmen sind als Mitversicherte zu führen.

Warum das für deutsche Marken relevant ist

Der Schritt betrifft ausdrücklich den US-Marktplatz – für viele deutsche Marken ist Amazon.com aber der zweite große Absatzkanal. Wer dort in einer der Sicherheitskategorien verkauft, braucht die Police rechtzeitig, sonst drohen ab dem 2. November Angebotssperren mitten im wichtigen Q4.

Bis 2. November erledigen

Den US-Katalog gegen die Kategorienliste abgleichen und nicht darauf verlassen, dass die eigenen Produkte außen vor sind. Bei Betroffenheit eine passende Police mit den geforderten Bedingungen abschließen – Deckungssumme, Selbstbehalt und Mitversicherung – und den Nachweis rechtzeitig im Seller Central hinterlegen, bevor die Frist greift.

Prozess · Compliance-Tests

3. Amazon bündelt Compliance-Tests: das neue Bulk-Verfahren für Testanträge

Testanträge lassen sich jetzt gebündelt einreichen und zentral nachverfolgen – weniger Aufwand vor dem Q4-Peak.

Amazon hat das Einreichen von Testanträgen (Test Request Forms, TRF) für prüfpflichtige Produkte auf eine Sammel-Funktion umgestellt. Statt jeden Antrag einzeln pro Produkt und Store auszufüllen, lassen sich Produkte unter identischen Anforderungen jetzt in einer Einreichung bündeln.

Dazu kommen eine store-übergreifende Sichtbarkeit der Anträge und ein zentrales Dashboard, das sich nach ASIN, TRF-ID, Status, Store und Prüfanbieter filtern lässt. Das Verfahren betrifft Kategorien mit vorgeschriebener Prüfung, Inspektion oder Zertifizierung durch Dritte – etwa Nahrungsergänzung, bestimmte Elektronik und Kinderprodukte.

Warum das im Account Management hilft

Compliance-Filings waren bisher kleinteilig und zeitraubend, besonders für Marken mit vielen ASINs über mehrere Länder-Stores. Das Bulk-Verfahren senkt Aufwand und Fehlerquote spürbar – ein Vorteil ausgerechnet vor dem Q4-Geschäft, in dem prüfpflichtige Produkte nicht an offenen Testanträgen hängen bleiben sollten.

Diese Woche nutzen

Offene und anstehende Testanträge für prüfpflichtige ASINs gebündelt über das neue Verfahren einreichen und den Status im zentralen Dashboard nachhalten. So sind regulierte Produkte rechtzeitig freigegeben, bevor die Peak-Wochen starten.

📦 Fun Fact der Woche

Amazon hieß fast „Cadabra" (von „abracadabra"). Am Telefon verstand der Anwalt aber „cadaver" (Leiche) – woraufhin Bezos den Namen verwarf und sich für „Amazon" entschied, benannt nach dem größten Fluss der Welt.

Account Manager Checklist

Was ich diese Woche bei Kunden prüfen würde

  • Referenzpreise (UVP) im Katalog gegen die 90-Tage-Preishistorie abgleichen und nicht belegbare Werte korrigieren, bevor sie unterdrückt werden.
  • Geplante Q4-Streichpreise über die Angebotsanzeige absichern, damit Ersparnis-Hinweise auf der Detailseite sichtbar bleiben.
  • Den US-Katalog auf die neuen Versicherungs-Kategorien prüfen und bei Betroffenheit die 1-Mio.-Police vor dem 2. November abschließen.
  • Offene Compliance-Testanträge (TRF) für prüfpflichtige ASINs gebündelt einreichen und im zentralen Dashboard nachhalten.
  • Vor dem Q4-Peak Preis-Darstellung, Versicherungsnachweise und Compliance-Status als Block abarbeiten, damit im Aktionsgeschäft nichts blockiert.
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